Sealife München: Zum Seeanemonen streicheln!
In den letzten Wochen und Monaten liegen ja in diversen Supermärkten in und um München gerne mal Gutscheine für das “Sealife”-Aquarium aus. Die Website verspricht Großes vor dem ersten Besuch:
Die Reise in die Unterwasserwelt des Sea Life München beginnt an den Quellen der Isar und folgt dem Lauf des Wassers über das Schwarze Meer und weiter bis in die Tiefen des Ozeans. Die unterschiedlichen Lebensräume auf dem Weg werden in über 30 aufwändig gestalteten Becken detailgetreu nachgebildet. Zu sehen gibt es knapp 10.000 Tiere aus über 150 Arten - von der Muschel über farbenprächtige Seesterne, anmutige Seepferdchen, Quallen, Rochen bis hin zu Haien. „Hai-light” der Freizeitattraktion ist das 400.000 Liter fassende und sechs Meter tiefe Ozeanbecken, durch das ein Acrylglastunnel führt. Seit Januar 2008 befindet sich hier die versunkene Stadt im tropischen Ozeanbecken und Bayerns einzige Meeresschildkröten haben hier ihr Zuhause gefunden
Im Olympiapark angekommen, erwartet uns erst einmal (wie in den Pfingstferien erwartet) eine mittellange Schlange. Zwischen zwei Betonwänden liegt der Eingang ins lichtdurchflutete Foyer, in dem wir nach der Warterei zuerst einmal vor einer riesengroßen Clownfisch-Statue geknipst werden. Mit dem Fotocoupon könnten wir uns am Schluss unser Foto neben Pseudo-Nemo angucken - mehr dazu später. Dank unserer Gutscheine zahlen wir zu viert 15€ Eintritt, das entspricht dem regulären Tagespass für einen Erwachsenen. Statt Ticket gibt’s aber einen Comic-Haifisch-Stempel auf den Handrücken. Nach dem Foyer werden jeweils ca. 20 Personen in einen engen, düsteren Raum gelassen, der offenbar eine Almhütte darstellen und uns zur ersten Station im Sealife hinführen soll: der Donau. Karpfen und Forellen schwimmen da also rum, sowas aber auch, alles grau in grau - auch im Donaudreieck wird’s nicht besser. Danach kommen ein paar vereinzelte Becken mit Tropenfischen (als erstes natürlich mit noch mehr Pseudo-Nemos und -Dories), eine sehr kleine Kugel für 6 Mini-Quallen und sehr cool: eine Haienart, die ihre Embryos 6-9 Monate in kokonartigen Eiern an Schilf festbindet. Man konnte die Babys darin sogar rumwuseln sehen.
Mein persönliches Highlight war ja noch die Fütterung irgendwo zwischen Donau und Tropen, in einem flachen Becken mit der Seeanemone Purpurrose - die man streicheln durfte! Wie die Angestellte mehrmals versicherte, darf man nicht davon ausgehen, dass Anemonen Pflanzen werden, nach diversen Wiederholungen wird’s jeder kapiert haben. Angefühlt hat es sich irgendwie sehr weich, dabei aber gar nicht wabbelig, wie ich anfangs erwartet habe. Warum man von unten nach oben streicheln muss, weiß ich dagegen nicht.
Ansonsten macht das Sealife gehörig einen auf Natur- und Meeresschutz. Auf eine Tafel dürfen die Besucher Post-its anbringen, was ihre Wünsche und Ängste für die Weltmeere sind, und dass da ohne Witz zu 80% nur “das die Fische austerpen” steht, kann meiner Meinung nicht so ganz Zufall sein. Schade, dass ich keine Führung für Schulgruppen erleben durfte. Hinzu kommen mehrmalige Betonungen, dass die geschützten Arten nur Nachzuchten seien und und und. Klar finde ich das wichtig, dagegen finde ich auch, dass so ein Aquarium für die, dann schon gefangen gehaltenen, Fische, gar nicht groß genug sein kann. Und einige Exemplare erschienen mir ernsthaft zu klein für die Masse an Fischen, die darin herumgeschwommen ist. Als es in Deutschland nur zwei Sealife-Center gab, in Koblenz und am Timmendorfer Strand, urteilte Greenpeace noch folgendermaßen:
“Greenpeace unterstützt die Sealife Centre, weil die Aquarien die Besucher „für den Lebensraum Wasser sensibilisieren“, und zeigt Ausstellungen über die Gefährdung der Haie oder Überfischung. Die Zusammenarbeit ist mit Auflagen verknüpft: Tabu sind nicht nur tropische Arten und solche, deren Fang Bestände gefährdet. Auch Tiere, die sich nicht artgerecht halten lassen – wie Meeressäuger und Seeschildkröten – müssen draußen bleiben.”
Nach meinem Besuch in München dagegen wundert es mich nicht, dass Greenpeace und Sea Life Ende 2006 ihre Zusammenarbeit, in Form von Ausstellungen zum Naturschutz, beendet haben. Tropische Arten waren in München vorhanden, ebenso 1-2 Seeschildkröten.
Um aber zurück zum eigentlichen “Tag” in Form von genau einer Stunde in Münchner Sea Life zu kommen: Wie der geneigte Leser bemerkt, endete der Spaß nach einer Stunde vor dem Fotostand - an dem ein Ausdruck des Fotos vom Anfang 7€ gekostet hätte - und im Souvenirladen mit allerlei Krims und Krams und Spongebob. Für 15€ wäre ich gelinde gesagt enttäuscht gewesen, wenn ich mir denke, was man nicht als Tourist oder Ausflügler in München alles für 15€ anstellen kann. Für 12€ kommt man in alle drei Pinakotheken, das neue Museum Brandhorst und die Schack-Galerie. Ist zwar nicht’s für Kinder, werde ich aber demnächst mit Sicherheit auch mal machen!

