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Die Dinge locker nehmen: Vapiano München

August22

Wer fleißig beim Kokostiger mithört, wird auf diesen Artikel vielleicht sogar schon warten. Wer nicht, darf sich den Podcast über Michis vergangene Woche (in der auch ich öfter mal vorkomme) gerne zu Ohren führen.

Nach unserem langen Tag am Münchner Flughafen hatte Michi eine Idee für unser Abendessen: ein Besuch im Vapiano. Hierbei handelt es sich um eine systemgastronomische Kette mit vielen Filialen in Deutschland und der Welt. Die Münchner Filiale befindet sich in einer absoluten Toplage, nämlich den Fünf Höfen (Salvator-/Theatinerstraße). Eine architektonische Augenweide bieten diese, leider ist das Preisniveau der meisten Geschäfte wirklich weit über dem meines Geldbeutels angesiedelt. So lockt Michi mich mit der Versprechung für ein interessantes Restaurantkonzept, angemessene Preise und natürlich tolles Essen ins Vapiano. Wir betreten den Laden und ein absolut fantastischer Duft steigt in meine Nase. Das riecht nicht wie in jedem x-beliebigem italienischen Restaurant, nein, es riecht wie in der Küche einer italienischen Mamma. Nach Tomaten, gebackenem Pizzaboden und Basilikum.

Hinein ins Vergnügen: Karte, Anstehen, Design

Am Eingang erhält man eine Plastikkarte im Scheckkartenformat, mit dieser “bezahlt” man bargeldlos im Restaurant seine Speisen und Getränke, beim Verlassen des Restaurants wird dann auch in bar abgerechnet. Der Sinn dahinter erschließt sich mir am Anfang meines Besuchs noch nicht ganz, ich spaziere an der Caffé-Bar im Erdgeschoss vorbei und steige eine breite Holztreppe hinauf in den ersten Stock - und dort wird mir erst bewusst, warum es hier so riecht: ich stehe in Küche und Gastraum auf einmal. Vor meinen Augen erstreckt sich eine unheimlich lange Theke, hinter der die Mitarbeiter Pasta, Pizza und Antipasti zubereiten. Die Einrichtung gefällt mir sofort, über der Theke hängt ein schwarzes Paneel, welches Fake-Kreideschrift und Zeichnungen von italienischem Essen und Zutaten zieren. An der Decke herrscht indirekte Beleuchtung mit wechselndem Farbenspiel, auf den modernen (aber doch rustikal-italienisch anmutenden) Tischen spenden kleine Lampen Licht. Wir suchen uns an diesem Abend einen Platz an der Galerie und haben somit freien Blick auf die Caffé-Bar, aber auch auf den gesamten Gastraum - er ist unheimlich groß. So viele Leute auf einem Haufen, alle beim Essen und Reden, aber dennoch ist es nicht unangenehm laut. Schallschlucker? Ich weiß es nicht. Michi zieht mich in diesem Moment der Entzückung bereits zur Kochtheke. Wir beide stellen uns bei der Pastasektion an und warten etwa 5 bis 10  Minuten, bis wir dran sind. Man darf zwischen mehreren Nudelsorten wählen, diese werden vom Koch aus einer Durchreiche hinter sich geholt. Portionsweise wurden hier frischgemachte Nudeln aus der Hintergrundküche in eine Plastikdose gepackt, vom Koch werden sie in einen automatischen Nudelkocher gegeben. Im Nachhinein erfahre ich, dass die Nudeln genau 90 Sekunden im sprudelnden Wasser gekocht werden - und sie können gar nicht vergessen werden, das Sieb des Nudelkochers fährt nach der vorgegebenen Zeit automatisch nach oben. Genial.

Das Essen

Auf den Speisekartenflyern sind die unterschiedlichen Preiskategorien (je nach Sauce) angegeben, ich entscheide mich für “Pomodoro e Mozzarella” aus Gruppe B: 7 Euro. Welche Nudeln ich bekomme, weiß ich nicht mehr. Sie waren auf jeden Fall lustig verschlungen und hatten den perfekten Biss. Für die Sauce schnappt sich der Koch aus der Durchreichewand hinter sich eine neue Wokpfanne, stellt diese in seinen Kochplatz und gibt etwas Öl und Zwiebeln aus den Plastikbehältern neben sich hinein. Man muss sich das in etwa vorstellen wie bei Subway: je nach Sauce werden die unterschiedlichen Zutaten vom Koch zusammen in den Topf geworfen, zubereitet wird das Ganze in der Küche im Hintergrund, welche offenbar auch die Pfannen nach jeder Sauce spült.Während meine Zwiebeln brutzeln wird die Nächste hinter mir gefragt, sie möchte zwei Portionen der gleichen Sauce, woraufhin extra die Frage gestellt wird, ob der Koch die Sauce für beide Portionen in der gleichen Pfanne zubereiten darf! Natürlich darf er das, alles andere wäre ja doof. Aber allein die Tatsache, dass so auf die Frische und Sauberkeit geachtet wird, finde ich erstaunlich. Inzwischen bekommen die Zwiebeln Gesellschaft: einen Schöpfer  Tomatensauce. Ach mir läuft bereits das Wasser im Munde zusammen, meine Nudeln kommen frisch und fertig aus dem Nudelkocher hochgefahren, ein paar Mozzarellawürfel gesellen sich als Abrundung in die Sauce. In einem schönen Pastateller richtet der Koch derweil meine Nudeln an, gibt eine perfekte Menge Sauce darauf und schiebt meine Plastikkarte nur noch über sein Lesegerät. Fertig. Ich verziehe mich mit meinen Nudeln auf einem Vintage-Metalltablett zurück auf meinen Platz und genieße.

Ich habe bewusst eine simple Sauce ausgewählt, meiner Meinung nach erkennt man an solchen Dingen überhaupt erst die Qualität der Küche. Ob der Koch eine Sauce mit Garnelen und Spinat hinbekommt ist für mich zum einen nicht wichtig, da ich weder Meeresfrüchte noch Spinat mag, zum anderen ist es mit solchen Zutaten nicht schwer. Aber eine simple Tomatensauce zu einem kulinarisch wertvollen Gericht zu machen, da gehört meiner Meinung nach ein gewisses Maß an Kochkunst dazu. Ich schwelge in meinen Nudeln und meiner Sauce und bin glücklich. Neidisch werde ich dabei von unserem dritten Begleiter im Bunde angeschaut: er wusste nicht, dass wir Essen gehen und hat sich daheim noch Schinkenbrote auf die Schnelle gemacht, damit er auf dem Weg in die Stadt bloß nicht verhungert. Achja, er wolle doch etwas, und entscheidet sich für eine Pizza Margharita. Am Pizzastand ist gerade kaum etwas los, Tommy tigert dorthin und kommt nach einer Minute mit einem roten Plastikgerät wieder. Es blinkt und sieht wirklich komisch aus. Nach etwa 10 Minuten gibt es jedoch einen dunklen Vibrationston ab - die Pizza ist fertig, Tommy kann sie am Stand abholen. Durchdacht das Ganze, so steht nicht eine Meute wartender Menschen vor der Theke.

Inzwischen bin ich mit meinen Nudeln fertig, mein Magen darf jetzt mit seiner Arbeit anfangen und schnurrt nur zufrieden. Als meine Augen jedoch diesen Reiz der dünnen, knusprigen Pizza auf Tommys Teller wahrnehmen und der Geruch des Pizzabodens in meine Nase steigt, war’s das mit Zufriedenheit: ich will mehr! Ich will das da probieren!

Darf ich dann auch. Und dieses eine Pizzastück schmeckt fast noch köstlicher als meine Nudeln davor. Tommy verdrückt die Pizza im Nu, die Schinkenbrote scheinen vergessen. Und ich habe jetzt beim Schreiben dieser Kritik schon wieder Hunger auf italienisches Essen, Mist.

Fazit

Das Essen schmeckt wirklich gut, zumindest das, was wir hatten. Einziges Manko: Selbstbedienung und Anstehen, das teilweise auch mit nervigen Kindern um sich herum. Vor allem in absoluten Hochzeiten des Ansturms kann das mit Sicherheit nervig werden. Abgeräumt wird dafür allerdings. Systemgastronomie funktionert in diesem Laden wirklich gut und erlebt wohl eine der besten Ausformungen im Vergleich zu anderem Fast Food. In diesem Fall würde ich Systemgastro allerdings wirklich nicht mit Fast Food gleichsetzen: dafür ist es nicht “fast” genug und erfüllt eigentlich die Ansprüche an das Essen in einem “normalen” Restaurant.

Wo?

Vapiano München

Salvatorpassage in den Fünf Höfen

Theatinerstraße 15 .

80333 MÜNCHEN

wo es Vapiano sonst noch gibt: http://www.vapiano.de/

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