Brunette Aspects

What would Bambi say?

Bloggen oder Lernen? Bloggen!

Dezember20

Nicht beleidigt sein, dass Du als geneigter Leser oder Abonnent meines Blogs nur in den Genuss eines neuen Artikels kommst, weil ich die Wahl zwischen dir und Wolfgang Rudzios “Das politische System der Bundesrepublik Deutschland” habe (nichts gegen den verehrten Herrn Rudzio, aber Lernen am vierten Advent ist doch…eher…trocken.). Heute gibt’s vor allem Lesetipps, denn wer will bei dieser Kälte schon gerne aktiv draußen etwas machen?

Ich war bereits vor einigen Wochen in Nürnberg zum Recherchebesuch bei Luciana vom Blog Lu zieht an, wir hatten einen wirklich tollen Tag in der Nürnberger Altstadt mit Shopping, Starbucks und Christkindlmarkt. Gleichzeitig ist eine neue tolle Bekanntschaft, eine neue Empfehlung für euch (nämlich Lucianas Blog!), ein mehr als brauchbares Interview und Lebkuchen für meine Family dabei rumgekommen. Wenn sich da mal das Bayernticket nicht gelohnt hat!

Als weiteren Lesetipp noch der Blogeintrag von Eva Schulz’ “hurra”-Blog: die junge Journalistin aus NRW hat gerade einige Wochen Leben in München hinter sich und für alle Nicht-Münchner ihre Weisheiten über unsere Stadt zusammengetragen: Was ich nach weiteren 9 Wochen über München gelernt habe. Dass wir mit unseren S-Bahn-Fahrern solch ein Glück haben, ist mir zwar noch nicht aufgefallen, recht hat sie aber trotzdem: ich muss mich jedes Mal freuen, wenn ein sympathischer Urbayer in der U-Bahn “Nächsta Hoit: Mox-Weba-Bloootz” ansagt.

Zu guter Letzt bin ich bei meiner Recherche für ein Referat noch auf eine wirklich süß gemachte Grafik der “Zeit” gestoßen: Die Woche im Pressehaus. Seht es euch selbst an und sucht mir Helmut Schmidt!

Das wars auch schon, enden möchte ich mit dem Zitat der Woche, gesprochen von einem verzweifelten Mittdreißiger, der vollbepackt um 18.30 vor der Universität seiner Freundin hinterherstapfte: “Da gibts a no’ den g’schiss’nen Christkindlmarkt an der Münchner Freiheit…”

Studentsein, der erste Streich: Frühstücken

September13

Wie ihr inzwischen wisst, muss ich ja schon immatrikuliert sein - sonst hätte mir diese Kaninchen-Internet-Geschichte nicht passieren können. Auf Drängen von Michi wollte ich euch schon länger von meinem Immatrikulationstag berichten, genauergesagt: von meiner ersten Tat als Studentin.

Schlau, wie wir so sind, sind Michi und ich sehr früh am Morgen mit der S-Bahn zur Uni gefahren, um mich einzuschreiben. Nur kamen offenbar mehrere auf die Idee, so früh zu kommen, sodass ich dennoch fast 2 Stunden vor und in der Studentenkanzlei zugebracht habe. Problematisch war dabei allerdings, dass Michi und ich uns das Frühstück für ein bisschen mehr Schlaf gespart hatten und schließlich total ausgehungert das Hauptgebäude der Uni verließen. Wir hatten allerhand Pläne gemacht für den (immerhin noch für den Rest der Welt sehr jungen) Tag und hielten es schließlich nicht mehr bis zum Frühstückscafé unserer Wahl aus: das CADU/Café an der Uni winkte nur so von der gegenüberliegenden Straßenseite. Und da ich ja mit einem Schon-Studenten unterwegs war, wusste Michi natürlich genau, dass wir unseren Hunger auch dort drin stillen könnten.

Gesagt, getan. Durch eine schmale Gittertür und einen niedrigen Bogen in der alten Steinmauer landeten wir im dahinterliegenden Innenhof. Das Glasdach ließ einen wirklich fast draußen sitzen, schuf jedoch auch echtes Treibhausklima. Mehr gab es für mich dann auch gar nicht mehr zu sehen, wie die Geier stürzten Michi und ich uns auf die Speisekarte, schlugen flott die Frühstücksseiten auf und überlegten. Die Wahl fiel für uns beide schließlich aufs folgende Frühstück:

“Heut mach ma blau” (Münchner Studentenleben)

Serranoschinken, Müsli, halbe Grapefruit, Frischkäse, Marmelade, Honig, Brotkorb und Butter

Kosten: 7,90€. Normal für ein gutes Münchner Frühstück, zumal man bedenken muss, dass wir uns in Schwabing befanden. Dazu gab es für mich einen Cappucino und für Michi einen Latte Macchiato.

Der Service

Und schon kommt die erste Hürde für die freundliche Bedienung, ich bin allergisch auf Haselnüsse. Deshalb die Frage: “Sind in dem Müsli Haselnüsse drin?” Bemüht eilt sie in die Küche und kommt nach kurzer Zeit wieder. Ja, leider seien Haselnüsse drin, aber sie könne mir stattdessen Naturjoghurt mit Früchten anbieten. Das nehme ich doch gerne an, schließlich hätte mich genau dieser Punkt fast schon zum “Jean-Jacques Rousseau”-Frühstück geführt. Flott werden uns die Kaffees serviert, auch das Frühstück lässt nicht lange auf sich warten. Fazit: Aufmerksam und sympathisch!

Das Frühstück

Guten Kaffee haben sie schon einmal, die Hälfte meiner Suppenschüssel voller Cappucino ist deshalb auch schon weg, als schließlich die Frühstücksteller und der Brotkorb serviert werden. Wir finden uns zwischen einer guten Brotmischung aus Weiß-, Roggen- und Vollkornbrot und einem Teller voller Serranoschinken wieder. Es war ein Essteller, der komplett mit Serranoschinken ausgelegt war! Und dazu ist zu sagen, dass ich Serrano einfach liebe…nunja, ansonsten waren alle genannten Frühstückskomponenten ansprechend und sauber angerichtet. Das Brot überzeugte durch Frische und Geschmack, die knusprige Kruste und der weiche Kern ließen auf einen guten Bäcker schließen. Auch der ungesüßte Naturjoghurt mit frischen Früchten hat mich etwas die Kalorienbombe Frühstück vergessen lassen und mich, in Kombination mit der Grapefruit, fast schon glauben lassen, ich könnte sowas Feines jeden Tag vertragen. Einziges Manko: die Grapefruit war unzureichend angeschnitten und spritzte nur su umher, ohne Sägemesser war da leider nicht viel zu machen, sodass Michi und ich mehrere Male mit halbzugekniffenen Augen an der Frucht rumhantierten.

Das Fazit

Im CADU sitzt man wirklich in angenehmer Atmosphäre inmitten eines total gemischten Publikums. Reichere Frauen beim Shoppingbummel, spätaufgestandene Studenten beim Frühstück oder Lateinlehrer bei Pfeife und Tee - hier ist echt alles geboten. Vor allem der überdachte Innenhof ist ein absolutes Schmankerl! Auch innen drin sah es gemütlich aus, Bücherregale und Sofas laden einen für mehrere Stunden und Kaffeetassen ein. Unser Frühstück war sowohl qualitativ als auch quantitativ absolut tadellos, pappsatt und zufrieden haben Michi und ich das CADU verlassen und das für vergleichsweise wenig Geld (ich verweise nochmals auf München…). Auf der Internetseite des Cafés ist die gesamte Speisekarte mit Preisen online (auch nett für die Kalkulation…).

Wo?

Cafe an der Uni
Ludwigstraße 24
80539 München

http://www.cadu.de/

Der kleine Unterschied?

September8

Im Moment lese ich “Gestatten: Elite” von Julia Friedrichs und kann dieses Buch nebenbei jedem nur getrost empfehlen. Hatte mich auf ein eher trockenes Sachbuch über die deutsche Nachwuchselite eingestellt und bin stattdessen für meinen Mut, so etwas in Kauf zu nehmen, mit einem abwechslungsreichen Recherchebericht der jungen Journalistin belohnt worden.

Um nun aber zum Punkt zu kommen: Friedrichs hat in ihrem Buch einen kleinen Punkt angesprochen, der mich schon früher mal interessiert hat. Genauer gesagt in der 10. Klasse während meiner Berlinreise. Wir wurden an den Bahnhöfen regelmäßig angesprochen, ob wir nicht eine Tageskarte übrig hätten und diese abgeben möchten. Leicht irritiert war ich, in meiner Naivität habe ich natürlich auch nicht kapiert, was damit passiert. Als ich nun im Juni mit meiner Mutter einen Ausflug nach Berlin gemacht habe, gab es dasselbe Spiel: selbst als Mutter-Tochter-Pärchen (und nicht als große Reisegruppe) wurden wir um Tickets angehauen. Für manch einen mag das jetzt normal klingen, aber nichts dergleichen ist mir jemals in München passiert! Und nun schreibt die Berlinerin Julia Friedrichs zu ihrer Station in München, ob es hier etwa normal ist, keine übrigen Pfandflaschen für Sammler an der Straße stehen zu lassen und nicht nach U-Bahn-Tickets gefragt zu werden, damit die Schnorrer sie weiterverkaufen können. Meine Antwort: offenbar ja, da es mir in meinem ganzen Leben bisher nur in Berlin passiert ist. Die Flaschen stehen eigentlich nur nach Massenparties wie dem Faschingsdienstag überall rum.

Wie sieht das bei euch aus? Wo wird geschnorrt und wo nicht?

Die Dinge locker nehmen: Vapiano München

August22

Wer fleißig beim Kokostiger mithört, wird auf diesen Artikel vielleicht sogar schon warten. Wer nicht, darf sich den Podcast über Michis vergangene Woche (in der auch ich öfter mal vorkomme) gerne zu Ohren führen.

Nach unserem langen Tag am Münchner Flughafen hatte Michi eine Idee für unser Abendessen: ein Besuch im Vapiano. Hierbei handelt es sich um eine systemgastronomische Kette mit vielen Filialen in Deutschland und der Welt. Die Münchner Filiale befindet sich in einer absoluten Toplage, nämlich den Fünf Höfen (Salvator-/Theatinerstraße). Eine architektonische Augenweide bieten diese, leider ist das Preisniveau der meisten Geschäfte wirklich weit über dem meines Geldbeutels angesiedelt. So lockt Michi mich mit der Versprechung für ein interessantes Restaurantkonzept, angemessene Preise und natürlich tolles Essen ins Vapiano. Wir betreten den Laden und ein absolut fantastischer Duft steigt in meine Nase. Das riecht nicht wie in jedem x-beliebigem italienischen Restaurant, nein, es riecht wie in der Küche einer italienischen Mamma. Nach Tomaten, gebackenem Pizzaboden und Basilikum.

Hinein ins Vergnügen: Karte, Anstehen, Design

Am Eingang erhält man eine Plastikkarte im Scheckkartenformat, mit dieser “bezahlt” man bargeldlos im Restaurant seine Speisen und Getränke, beim Verlassen des Restaurants wird dann auch in bar abgerechnet. Der Sinn dahinter erschließt sich mir am Anfang meines Besuchs noch nicht ganz, ich spaziere an der Caffé-Bar im Erdgeschoss vorbei und steige eine breite Holztreppe hinauf in den ersten Stock - und dort wird mir erst bewusst, warum es hier so riecht: ich stehe in Küche und Gastraum auf einmal. Vor meinen Augen erstreckt sich eine unheimlich lange Theke, hinter der die Mitarbeiter Pasta, Pizza und Antipasti zubereiten. Die Einrichtung gefällt mir sofort, über der Theke hängt ein schwarzes Paneel, welches Fake-Kreideschrift und Zeichnungen von italienischem Essen und Zutaten zieren. An der Decke herrscht indirekte Beleuchtung mit wechselndem Farbenspiel, auf den modernen (aber doch rustikal-italienisch anmutenden) Tischen spenden kleine Lampen Licht. Wir suchen uns an diesem Abend einen Platz an der Galerie und haben somit freien Blick auf die Caffé-Bar, aber auch auf den gesamten Gastraum - er ist unheimlich groß. So viele Leute auf einem Haufen, alle beim Essen und Reden, aber dennoch ist es nicht unangenehm laut. Schallschlucker? Ich weiß es nicht. Michi zieht mich in diesem Moment der Entzückung bereits zur Kochtheke. Wir beide stellen uns bei der Pastasektion an und warten etwa 5 bis 10  Minuten, bis wir dran sind. Man darf zwischen mehreren Nudelsorten wählen, diese werden vom Koch aus einer Durchreiche hinter sich geholt. Portionsweise wurden hier frischgemachte Nudeln aus der Hintergrundküche in eine Plastikdose gepackt, vom Koch werden sie in einen automatischen Nudelkocher gegeben. Im Nachhinein erfahre ich, dass die Nudeln genau 90 Sekunden im sprudelnden Wasser gekocht werden - und sie können gar nicht vergessen werden, das Sieb des Nudelkochers fährt nach der vorgegebenen Zeit automatisch nach oben. Genial.

Das Essen

Auf den Speisekartenflyern sind die unterschiedlichen Preiskategorien (je nach Sauce) angegeben, ich entscheide mich für “Pomodoro e Mozzarella” aus Gruppe B: 7 Euro. Welche Nudeln ich bekomme, weiß ich nicht mehr. Sie waren auf jeden Fall lustig verschlungen und hatten den perfekten Biss. Für die Sauce schnappt sich der Koch aus der Durchreichewand hinter sich eine neue Wokpfanne, stellt diese in seinen Kochplatz und gibt etwas Öl und Zwiebeln aus den Plastikbehältern neben sich hinein. Man muss sich das in etwa vorstellen wie bei Subway: je nach Sauce werden die unterschiedlichen Zutaten vom Koch zusammen in den Topf geworfen, zubereitet wird das Ganze in der Küche im Hintergrund, welche offenbar auch die Pfannen nach jeder Sauce spült.Während meine Zwiebeln brutzeln wird die Nächste hinter mir gefragt, sie möchte zwei Portionen der gleichen Sauce, woraufhin extra die Frage gestellt wird, ob der Koch die Sauce für beide Portionen in der gleichen Pfanne zubereiten darf! Natürlich darf er das, alles andere wäre ja doof. Aber allein die Tatsache, dass so auf die Frische und Sauberkeit geachtet wird, finde ich erstaunlich. Inzwischen bekommen die Zwiebeln Gesellschaft: einen Schöpfer  Tomatensauce. Ach mir läuft bereits das Wasser im Munde zusammen, meine Nudeln kommen frisch und fertig aus dem Nudelkocher hochgefahren, ein paar Mozzarellawürfel gesellen sich als Abrundung in die Sauce. In einem schönen Pastateller richtet der Koch derweil meine Nudeln an, gibt eine perfekte Menge Sauce darauf und schiebt meine Plastikkarte nur noch über sein Lesegerät. Fertig. Ich verziehe mich mit meinen Nudeln auf einem Vintage-Metalltablett zurück auf meinen Platz und genieße.

Ich habe bewusst eine simple Sauce ausgewählt, meiner Meinung nach erkennt man an solchen Dingen überhaupt erst die Qualität der Küche. Ob der Koch eine Sauce mit Garnelen und Spinat hinbekommt ist für mich zum einen nicht wichtig, da ich weder Meeresfrüchte noch Spinat mag, zum anderen ist es mit solchen Zutaten nicht schwer. Aber eine simple Tomatensauce zu einem kulinarisch wertvollen Gericht zu machen, da gehört meiner Meinung nach ein gewisses Maß an Kochkunst dazu. Ich schwelge in meinen Nudeln und meiner Sauce und bin glücklich. Neidisch werde ich dabei von unserem dritten Begleiter im Bunde angeschaut: er wusste nicht, dass wir Essen gehen und hat sich daheim noch Schinkenbrote auf die Schnelle gemacht, damit er auf dem Weg in die Stadt bloß nicht verhungert. Achja, er wolle doch etwas, und entscheidet sich für eine Pizza Margharita. Am Pizzastand ist gerade kaum etwas los, Tommy tigert dorthin und kommt nach einer Minute mit einem roten Plastikgerät wieder. Es blinkt und sieht wirklich komisch aus. Nach etwa 10 Minuten gibt es jedoch einen dunklen Vibrationston ab - die Pizza ist fertig, Tommy kann sie am Stand abholen. Durchdacht das Ganze, so steht nicht eine Meute wartender Menschen vor der Theke.

Inzwischen bin ich mit meinen Nudeln fertig, mein Magen darf jetzt mit seiner Arbeit anfangen und schnurrt nur zufrieden. Als meine Augen jedoch diesen Reiz der dünnen, knusprigen Pizza auf Tommys Teller wahrnehmen und der Geruch des Pizzabodens in meine Nase steigt, war’s das mit Zufriedenheit: ich will mehr! Ich will das da probieren!

Darf ich dann auch. Und dieses eine Pizzastück schmeckt fast noch köstlicher als meine Nudeln davor. Tommy verdrückt die Pizza im Nu, die Schinkenbrote scheinen vergessen. Und ich habe jetzt beim Schreiben dieser Kritik schon wieder Hunger auf italienisches Essen, Mist.

Fazit

Das Essen schmeckt wirklich gut, zumindest das, was wir hatten. Einziges Manko: Selbstbedienung und Anstehen, das teilweise auch mit nervigen Kindern um sich herum. Vor allem in absoluten Hochzeiten des Ansturms kann das mit Sicherheit nervig werden. Abgeräumt wird dafür allerdings. Systemgastronomie funktionert in diesem Laden wirklich gut und erlebt wohl eine der besten Ausformungen im Vergleich zu anderem Fast Food. In diesem Fall würde ich Systemgastro allerdings wirklich nicht mit Fast Food gleichsetzen: dafür ist es nicht “fast” genug und erfüllt eigentlich die Ansprüche an das Essen in einem “normalen” Restaurant.

Wo?

Vapiano München

Salvatorpassage in den Fünf Höfen

Theatinerstraße 15 .

80333 MÜNCHEN

wo es Vapiano sonst noch gibt: http://www.vapiano.de/

[Bild-Modus]Florierendes Geschäft im Untergrund: MVV bereichert sich an netten Enkeln! [/Bild-Modus]

Juli11

“„Immerhin haben die Verkehrsunternehmen im MVV 2008 25.907 Bahnsteigkarten verkauft“, weiß MVV-Sprecherin Beate Brennauer[...]“

25.907 Bahnsteigkarten, das mal als Einstieg. Die öffentlichen Verkehrsmittel in München haben ohnehin ein sehr undurchsichtiges Preissystem, nichtmal Münchner kapieren allzu oft das System aus Streifenkarten, Ringen und Zonen. Teuer ist es dazu auch noch, doch reichen 11€ für eine Streifenkarte mit 10 Streifen (zum Vergleich: 4 Streifen braucht man vom normalen Landkreisbahnhof als Erwachsener einfach in die Stadtmitte, für 20 Minuten Fahrt. Oder auch nur 5 Minuten, wenn man über die Zonengrenze fährt) noch nicht, nein: 30 Cent für das bloße Betreten des Bahnsteigs muss man in Form der “Bahnsteigkarte” blechen, wenn man seinem Opi oder der Omi brav Koffer zur S-Bahn schleppt. Oder einfach nur durchrennt um Croissants zu kaufen und dabei blind die Aufschrift übersieht (s.o.). Doch rechnen wir jetzt nochmal: 30 Cent für eine Bahnsteigkarte, 2008 wurden 25.907 verkauft. Macht 7772,10€ für den MVV, die es kassiert, weil man den Bahnsteig oder die Zone zwischen den Stempelautomaten betritt. Mich würde ja interessieren, ob der MVV diesen Bereich dann auch Instand hält, oder die Stadt München dafür blechen darf. Die 7772,10€ werden meiner Einschätzung nach nämlich gerade mal die Putzkosten fürs Untergeschoss vom Marienplatz sein.

Glockenbach Part Two: Einfach “Selig”

Juli3

Hier also der zweite Teil meines Montagabends im Münchner Glockenbachviertel. Eine kurze Rückblende:

Miss Brunette und zwei charmante junge Herren waren auf der Suche nach einer netten Bar für Cocktails und eventuell auch kleinere Snacks und sind in der Münchner Hans-Sachs-Straße gelandet. Nach einer kurzen Diskussion, ob man ins “Selig” oder ins “Glocke & Bach” gehen sollte, entschied man sich für letzteres und erlebte dort knappe 1 1/2 Stunden mit mäßigem Essen und auch nicht allzu dollen Drinks. Der Verlierer der Diskussion, das “Selig”, sollte nun also seine Chance erhalten!

und genau so war’s dann auch. Direkt gegenüber vom “Glocke & Bach” spazieren wir ins “Selig”, dort waren ohnehin schon andauernd mehr Gäste rumgesessen als in unserer Ex-Bleibe, meine Begleitung verbindet zudem nur positive Besuche mit dem Café. Wir setzen und ins Innere, da voraussichtlich die Terrasse auch hier bald geräumt werden soll. Zuerst einmal muss ich mir hier etwas zu dieser absolut abgefahrenen Wandgestaltung sagen. Eine dunkle Tapete in schimmernden Blau- und Grüntönen ziert die Wand hinter meiner Sitzbank, darauf sind außerdem dunkelrote Hundesilhouetten aus einem samtähnlichen Stoff, zumindest vermute ich das. Ansonsten besticht das “Selig” mit eher simpler Einrichtung, alte Holztische lassen vermuten, dass hier bereits so manche Party gefeiert wurde, die Theke mit der großen Kaffeemaschine bildet den Kern des kleinen Raumes. Apropos Kaffee: die Getränke.

Die Getränke

Wie ich mich also so umsehe, entdecke ich auch eine schmale Karte auf unserem Tisch. Die Speise- und Getränkekarte - eine für alle, und wohlgemerkt haben an unserem Tisch sicher 6 bis 8 Personen Platz. Wir Drei stecken also die Köpfe zusammen und brüten, denn so richtig entscheiden können wir uns nicht. Plötzlich steht unser Kellner vor uns, stützt sich mit den Händen auf dem Tisch ab, als hätte er um 23 Uhr schon keine Kraft mehr für seinen Job, und sieht uns fragend an. Und wir wissen es natürlich immer noch nicht, was wir wollen, immerhin jumpen wir Entscheidungsunfreudige auch noch abwechselnd zwischen den Seiten für Wein, Softdrinks und Kaffee rum. Freundlich weisen wir die Bedienung also darauf hin, uns noch nicht entschieden zu haben, woraufhin dieser ganz und gar nicht freundlich sich mit beleidigter Miene schweigend umdreht und uns so sitzen lässt. Sehr nett.

Wie bereits angedeutet gibt es an der Auswahl der Getränke jedoch überhaupt nichts zu meckern, allein was einem hier an Kaffeevariationen aus hauseigenen Bohnen geboten wird, ist gigantisch. Dennoch entscheiden wir uns für einen “Almradler”, also ein Radler (Bier mit Limo) aus Almdudler, einen blauen Zweigelt und einen “Sommerg’spritzen”. Laut Karte handelt es sich hierbei um eine “leichte Weinschorle aus Grünem Veltiner mit Zitrone”. Dafür, dass der Kellner zuerst so sehnsüchtig auf unsere Bestellung gewartet hat, lässt er sich diesmal Zeit, bringt dann aber sehr zügig unsere Getränke. Begeisterung macht sich bei mir breit, meine Weinschorle hat sogar hauseigene Gläser, auf der in schnörkeliger (aber moderner) Schrift “Sommerg’spritzer” prangt. Auch geschmacklich überzeugt mich meine Wahl, wirklich erfrischend mit Weißwein- und Zitronennote kommt diese Schorle daher - zum Preis von nur 3€ für ein Viertel.

Auch der Zweigelt von einem der Herren ist bei weitem besser als der vom Vorgänger. Schön vollmundig, fruchtig - bin zwar keine Weinkennerin, aber mir hat er geschmeckt. Und wenn mir einer nicht schmeckt, meinen die Weinkenner zumindest meist, dass es auch kein guter Tropfen war. Auf den Radler mit Almdudler verzichte ich, ich mag weder Bier noch Kräuterlimo - ihm zumindest hat’s geschmeckt.

Alles in allem eine Topnote für die Getränke: umfangreiche Karte mit außergewöhnlichen Ideen, der Geschmack überzeugt und der Preis dabei dann sowieso.

Das Essen

Hier kann ich selbst leider nichts beurteilen, habe lediglich in der Karte ein sehr umfangreiches Frühstücksangebot, viele Kartoffelsuppenvariationen, österreichische Spezialitäten sowie Snacks und Salate erspähen können. Wer es selbst ausprobiert hat, darf mir gerne Kommentare hier hinterlassen! Und er es ausprobieren möchte, der wird hier fündig:

Wo?

SELIG

Hans-Sachs-Straße 3

80469 München

http://www.einfachselig.de/

Glocke & Bach im Glockenbach

Juni30

Nach dem ganzen Abiturstress war mir gestern nach einem schönen Abend mit Freunden, bevorzugt in einer netten Bar in München. Zusammen mit zwei Jungs bin ich also ins Münchner Glockenbachviertel losgezogen und stand plötzlich recht ahnungslos in der Hans-Sachs-Straße, während meine Begleiter diskutierten, nun ins “Glocke & Bach” oder ins gegenüberliegende “Selig” zu gehen. Ersteres hat (für den Moment) gewonnen, sodass wir uns an einem Bistrotisch vor dem Cafe/Bar/Restaurant/Bistro niederließen, immerhin war es der erste richtige Sommerabend in München seit Ewigkeiten.

Caipilimo und spanischer Wein

Da meine Begleiter doch recht auffällig über die Wahl des Etablissements diskutiert haben, dauerte es nicht lange, bis der Kellner an unseren Tisch kam und uns die Karte vorbeibrachte. Eigentlich wollte ich einen Cocktail, ursprünglich auch mit Alkohol, dann aber wieder doch nicht…hach, ich war nicht allzu entscheidungsfreudig und habe mich für einen “Virgin Caipi”, also einen Caipirinha ohne Alkohol entschieden. Laut Getränkekarte sollte der fehlende Cachaca durch Bitter Lemon ersetzt werden, Rohrzucker und Limette blieben. Leider konnte ich vom Bitter Lemon nichts schmecken, es hat eigentlich nur süß geschmeckt. Ich bin zwar ein Fan von süßen Caipis, aber da auch nur, weil man dann weniger von der Schärfe des Cachaca schmeckt. Zumindest bilde ich mir das irgendwie ein, auf jeden Fall hat’s süß geschmeckt und die Rohrzuckerkristalle sind nur so den Strohhalm hinauf- und meine Kehle hinabgepurzelt. 5,90€ für Limo mit Limetten? Etwas übertrieben.

Wie ihr auf der Rechnung seht, hatten die beiden Jungs je ein Glas Rioja, also spanischen Rotwein. Der erste Kommentar hierzu war “sauer”, auch ihre Gesichter ließen nicht viel besseres vermuten.

Thailändisch-Italienische-Kitchen mit Einschlag von Hausmannskost

Leider war es schon 22 Uhr, ich hätte wirklich Lust auf Frühstück gehabt - das bekommen Nicht-Frühstück-Freaks dennoch täglich bis 16 Uhr. Ansonsten bot die Karte Kulinarisches aus allen möglichen Gebieten, von Pasta bis Burger, Wiener Schnitzel und Tom-Kha-Gai (Thailändischer Suppe). Normalerweise macht mich eine solche Bandbreite auf Speisekarten ja stutzig, denn meine Theorie ist ja, dass kein guter Pizzabäcker auf ein guter Koch für Thai-Curry sein kann. Angenehm ist jedoch, dass es auch nach Küchenschluss noch Snacks wie Pommes Frites oder Frühlingsrollen gibt. Letztendlich entschied ich mich für eine Portion “Bruschetta mit Tomatenwürfeln”, meine beiden Begleiter teilten sich eine Portion “Warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis”.

Sofort wird der Koch aus den Gästen auf dem Bürgersteig herausgezogen, er soll mir also meine Bruschette zaubern. Prinzipiell wichtig ist dabei, dass die Bruschette richtig schön vor lauter Olivenöl triefen, Knoblauch und Tomaten gehören ebenfalls dazu. Laut Wikipedia nicht zwingend notwendig ist die Anwesenheit von Zwiebelwürfeln auf den Brotscheiben, laut mir dagegen ist das ein absolutes Must! Recht flott werden mir auf einem Desserteller vier Scheiben geliefert, garniert mit Rucola und einer Kirschtomate. Das Besteck hat der Kellner nur für die Apfelstrudelfraktion gebracht, da der Rucola allerdings auch nicht mehr taufrisch aussieht, nicht angemacht ist und ich Rucola auch nicht unbedingt brauche, ist die Garnitur somit gleich für die Tonne bestimmt. Zurück aber zum Bruschetta: “mit Tomatenwürfeln” ist absolut richtig ausgedrückt, ansonsten ist da aber auch nicht viel drauf. Ein dunkelgrünes, undefinierbares Pesto ziert die Baguettescheiben, darauf folgen bereits die Tomatenwürfel.

Ich fasse also zusammen: Bruschetta ohne Zwiebeln, ohne Öl, ohne Knoblauch, dafür aus Baguette mit trockenem Pesto. Dieses schmeckt zudem etwas muffig. Enttäuschung macht sich breit, geschmacklich können die Scheiben nicht überzeugen - das Baguette schmeckt nach Baguette und somit viel zu fad. Wie wäre es mit einem italienischen Bauernbrot mit einer richtig guten Kruste gewesen? Das Pesto ist, wie gesagt, absolut undefinierbar und so zudem so dick aufgetragen, dass es den Geschmack der Tomaten auch noch überdeckt.

Im Apfelstrudel wurden die Äpfel vergebens gesucht, eine industriell anmutende Apfelmuspampe ronn aus den Strudelteigblättern und wurde von meinen Begleitern per Gabel ins Vanilleeis getunkt. Während ich so nebenbei mal einen Schluck Caipilimo nahm, erreichte eine ganz schön starke Zimtfahne mein Näschen. Da einer der beiden Herren das Legemuster des Strudelteigs auf der Oberseite des Strudels bereits bei einer alleinwohnenden Bekannten Anfang 20 (ohne den direkten Draht zum Kochen) gesehen hatte, gehen wir von einem Fertigprodukt aus. Dabei aber eher Discounter als Coppenrath & Wiese.

Das Fazit

Das “Glocke & Bach” existiert offenbar noch nicht allzu lange und muss mit Sicherheit entsprechend um sein Publikum kämpfen. Direkt gegenüber liegt die Szenebar “Selig” mit offenbar besseren Drinks und besserem Essen. Nicht einmal der Preis konnte locken, zwar kostet es hier auch nicht mehr als anderswo im Glockenbachviertel, dennoch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis als eher ungünstig zu bezeichnen. 24,50€ haben wir Drei im Laden gelassen und sind danach rüber ins “Selig” - wo es definitiv besser war. Eine ausführliche Review hierfür folgt demnächst!

Wo?

Sealife München: Zum Seeanemonen streicheln!

Juni4

In den letzten Wochen und Monaten liegen ja in diversen Supermärkten in und um München gerne mal Gutscheine für das “Sealife”-Aquarium aus. Die Website verspricht Großes vor dem ersten Besuch:

Die Reise in die Unterwasserwelt des Sea Life München beginnt an den Quellen der Isar und folgt dem Lauf des Wassers über das Schwarze Meer und weiter bis in die Tiefen des Ozeans. Die unterschiedlichen Lebensräume auf dem Weg werden in über 30 aufwändig gestalteten Becken detailgetreu nachgebildet. Zu sehen gibt es knapp 10.000 Tiere aus über 150 Arten - von der Muschel über farbenprächtige Seesterne, anmutige Seepferdchen, Quallen, Rochen bis hin zu Haien. „Hai-light” der Freizeitattraktion ist das 400.000 Liter fassende und sechs Meter tiefe Ozeanbecken, durch das ein Acrylglastunnel führt. Seit Januar 2008 befindet sich hier die versunkene Stadt im tropischen Ozeanbecken und Bayerns einzige Meeresschildkröten haben hier ihr Zuhause gefunden

Im Olympiapark angekommen, erwartet uns erst einmal (wie in den Pfingstferien erwartet) eine mittellange Schlange. Zwischen zwei Betonwänden liegt der Eingang ins lichtdurchflutete Foyer, in dem wir nach der Warterei zuerst einmal vor einer riesengroßen Clownfisch-Statue geknipst werden. Mit dem Fotocoupon könnten wir uns am Schluss unser Foto neben Pseudo-Nemo angucken - mehr dazu später. Dank unserer Gutscheine zahlen wir zu viert 15€ Eintritt, das entspricht dem regulären Tagespass für einen Erwachsenen. Statt Ticket gibt’s aber einen Comic-Haifisch-Stempel auf den Handrücken. Nach dem Foyer werden jeweils ca. 20 Personen in einen engen, düsteren Raum gelassen, der offenbar eine Almhütte darstellen und uns zur ersten Station im Sealife hinführen soll: der Donau. Karpfen und Forellen schwimmen da also rum, sowas aber auch, alles grau in grau - auch im Donaudreieck wird’s nicht besser. Danach kommen ein paar vereinzelte Becken mit Tropenfischen (als erstes natürlich mit noch mehr Pseudo-Nemos und -Dories), eine sehr kleine Kugel für 6 Mini-Quallen und sehr cool: eine Haienart, die ihre Embryos 6-9 Monate in kokonartigen Eiern an Schilf festbindet. Man konnte die Babys darin sogar rumwuseln sehen.

Mein persönliches Highlight war ja noch die Fütterung irgendwo zwischen Donau und Tropen, in einem flachen Becken mit der Seeanemone Purpurrose - die man streicheln durfte! Wie die Angestellte mehrmals versicherte, darf man nicht davon ausgehen, dass Anemonen Pflanzen werden, nach diversen Wiederholungen wird’s jeder kapiert haben. Angefühlt hat es sich irgendwie sehr weich, dabei aber gar nicht wabbelig, wie ich anfangs erwartet habe. Warum man von unten nach oben streicheln muss, weiß ich dagegen nicht.

Ansonsten macht das Sealife gehörig einen auf Natur- und Meeresschutz. Auf eine Tafel dürfen die Besucher Post-its anbringen, was ihre Wünsche und Ängste für die Weltmeere sind, und dass da ohne Witz zu 80% nur “das die Fische austerpen” steht, kann meiner Meinung nicht so ganz Zufall sein. Schade, dass ich keine Führung für Schulgruppen erleben durfte. Hinzu kommen mehrmalige Betonungen, dass die geschützten Arten nur Nachzuchten seien und und und. Klar finde ich das wichtig, dagegen finde ich auch, dass so ein Aquarium für die, dann schon gefangen gehaltenen, Fische, gar nicht groß genug sein kann. Und einige Exemplare erschienen mir ernsthaft zu klein für die Masse an Fischen, die darin herumgeschwommen ist. Als es in Deutschland nur zwei Sealife-Center gab, in Koblenz und am Timmendorfer Strand, urteilte Greenpeace noch folgendermaßen:

“Greenpeace unterstützt die Sealife Centre, weil die Aquarien die Besucher „für den Lebensraum Wasser sensibilisieren“, und zeigt Ausstellungen über die Gefährdung der Haie oder Überfischung. Die Zusammenarbeit ist mit Auflagen verknüpft: Tabu sind nicht nur tropische Arten und solche, deren Fang Bestände gefährdet. Auch Tiere, die sich nicht artgerecht halten lassen – wie Meeressäuger und Seeschildkröten – müssen draußen bleiben.”

Nach meinem Besuch in München dagegen wundert es mich nicht, dass Greenpeace und Sea Life Ende 2006 ihre Zusammenarbeit, in Form von Ausstellungen zum Naturschutz, beendet haben. Tropische Arten waren in München vorhanden, ebenso 1-2 Seeschildkröten.

Um aber zurück zum eigentlichen “Tag” in Form von genau einer Stunde in Münchner Sea Life zu kommen: Wie der geneigte Leser bemerkt, endete der Spaß nach einer Stunde vor dem Fotostand - an dem ein Ausdruck des Fotos vom Anfang 7€ gekostet hätte - und im Souvenirladen mit allerlei Krims und Krams und Spongebob. Für 15€ wäre ich gelinde gesagt enttäuscht gewesen, wenn ich mir denke, was man nicht als Tourist oder Ausflügler in München alles für 15€ anstellen kann. Für 12€ kommt man in alle drei Pinakotheken, das neue Museum Brandhorst und die Schack-Galerie. Ist zwar nicht’s für Kinder, werde ich aber demnächst mit Sicherheit auch mal machen!