Brunette Aspects

What would Bambi say?

Schnellschreiberin!

Oktober18

Gerade bei Lu zieht an entdeckt: der Schreib-Speedtest.

96 Wörter
Offenbar bin ich ja sogar wirklich gut dabei.

Dafür geht morgen die Uni los, bin schon etwas hibbelig und vor allem gespannt, wie es so wird. Der Stundenplan hätte zwar besser sein können, ist aber angesichts der Zeitaufteilung auch nicht der worst case - wie’s war, bekommt ihr bei interessanten Begebenheiten schon noch zu lesen, ich will ja nicht gegen Eva Schulz’ 20 “Regeln” des Bloggerdaseins verstoßen. Allerdings habe ich euch bereits (ich kenne meine WP-Stats) schon öfters nach eurer Meinung gefragt und sogar auch von Eva eine Rückmeldung bekommen, das war eigentlich für mich zusätzlich sehr amüsant beim Lesen ihres Artikels.

Athen erleben und überleben

Oktober13

Ich weiß, Schande über mich, ich war faul. Aber: Ich war ja auch in Athen. Und habe meine Weisheitszähne rausbekommen, über letzteres möchte ich aber nicht berichten. Eher über meinen Kurztrip nach Athen.

Für 5 Tage war ich in Athen, und hierzu ist zu sagen: Ich als halbe Griechin habe außer unserer Heimatinsel Korfu noch keinen Fleck Griechenlands besucht! Und da die Brüder meines Vaters mitsamt ihren Familien das ganze Jahr über in Athen leben, wurde es Zeit für einen langersehnten Familienbesuch. Obligatorisch ist dieser irgendwo, festgelegt seit frühster Kindheit ebenso. “Irgendwann kommt das Kind uns in Athen besuchen!”, nun, und so kam es dann auch.

Freitag, 18.9.

Es ist Freitagabend, halb 10 in Athen. Für mich dank der Zeitzonen noch halb 9, sodass ich für den weiteren Abend noch unerwartet fit sein werde - es wird nützlich sein! Mutterseelenallein stehe ich am Athener Flughafen, mit meinem Gepäck, und warte auf meine Cousine. Eigentlich sollte ich ja jetzt erst landen, aber komischerweise hat es Lufthansa geschafft, zu spät abzufliegen und zu früh anzukommen. Verzweiflung macht sich breit, ich rufe meine Cousine auf dem Handy an und muss sofort die paar Brocken Griechisch aus meinem Hinterkopf hervorkramen, die ich so habe - meine Cousine sieht es nämlich nicht ein, während des Autofahrens mit mir auf Englisch zu kommunizieren. Sie steht im Stau und ist gleich da.

Moment - ihr erinnert euch - Freitagabend und STAU? Ja, unglaublich aber wahr, auf der Fahrt vom Flughafen ins Athener Stadtzentrum stehen wir eine geschlagene Stunde im Stau. Meine Cousine erklärt mir das mit einer Promillegrenze von 2,5, laut Internet sind es aber auch nur 0,5 wie bei uns. In Athen gehen die jungen Leute am Freitagabend natürlich auch aus, fahren aber alle allein mit ihren Autos in die Szeneviertel, sodass auf Athens Straßen kurz vor Mitternacht immer noch die Hölle los ist. Unerwarteterweise werde ich jedoch nicht heimkutschiert um mich für die nächsten Tage in Form von Schlaf zu stärken. Nein, wir fahren sofort an den Fuß der Akropolis. img_0731

Was ich besonders schön finde: die alten Jugendstilhäuser werden bei Nacht alle noch gesondert beleuchtet, wie ihr auf dem Bild seht. Athen gleicht somit von oben einem noch größeren Lichtermeer als andere Großstädte. Vom Flugzeug ist mir auch aufgefallen, dass die Lampen der Straßenlaternen hier alle orange sind - das sieht gleich noch ästhetischer aus als die weißen Lampen in Deutschland.

Aber zurück zur Akropolis: auf einer breiten Straße stehe ich nun also und staune auf diesen großen Berg vor mir, auf dem Athens Wahrzeichen (ebenfalls beleuchtet) über der Stadt emporragt. Unglaublich, aufgrund der vielen Bäume aber leider nicht fototauglich.

Wir machen uns nun doch auf den Heimweg und gegen Mitternacht breite ich mich auf der Couch meiner Cousine aus, immer noch ganz begeistert von diesem komischen Freitagabendstau, den vielen Leuten, der anderen Luft und der tollen Häuser.

Samstag, 19.9.

Heute geht es in “The Mall”, ein neugebautes Einkaufszentrum. Dieses ist offenbar im Moment DAS Gesprächsthema in Athen und haut dort jeden vom Hocker, für mich ist es eine Mischung aus Riem-Arcaden (Stil) und OEZ (Größe), zwei Einkaufszentren aus München. Auf die Frage, ob wir denn so eine tolle “Mall” auch hätten, bin ich höflich und mache das Teil nun nicht nieder. Mei, es ist ein Einkaufszentrum wie jedes andere hier auch, mit Zara und Mango. Dennoch gehe ich glücklich mit zwei Paar Schuhen wieder heim und frage mich, wie es sein kann, dass von einem weiteren Paar Stiefel  bei Zara nur ein linker Schuh in Größe 37 aufzufinden war. Das muss natürlich noch verfolgt werden, denn das dritte Paar Schuhe muss einfach sein.

Am Abend kommt mein gleichaltriger Cousin aus Patras an, er studiert dort Computeringenieurswesen und ist für mich eine Art Bruder. Zumindest war er das mal, irgendwie merke ich, dass es zwischen uns nicht mehr ganz so passt wie früher. Da komme ich mit meiner 31-Jährigen Cousine und meinem 38-Jährigen Cousin samt Frau (die ich seit meinem 10. Lebensjahr nicht mehr gesehen habe) doch besser zurecht. Mit denen gehen wir alle zusammen auch gleich Essen und ich lerne endlich ihren kleinen Sohn kennen - so süß! Tief in meinem Herzen hat mich ja die Neugier über diesen Wonneproppen nach Athen gelockt. Fotos und eine süße Kinderstimme am Telefon haben’s vollbracht.

Der Samstag war also ein reiner Shopping- und Familientag, allerdings hatte ich das auch so vor. Ab Montag muss meine Cousine wieder arbeiten und dann geht erst das große Sightseeing mit meiner Tante los.

Sonntag, 21.9.

Gestern Abend ist es spät geworden. Wir drei (Cousine, jüngerer Cousin, ich) kriechen gegen 12 Uhr mittags aus dem Bett und stehen vor einem Dilemma. Heute sollte es eigentlich zu einer Tante (Mutter des jüngeren Cousins) zum Mittagessen gehen, davor wollten wir aber zum Strand fahren. Die Fahrt dauert etwa eine Stunde, aber zuerst wollen wir frühstücken.

Wie mein Cousin seiner Mutter sagen konnte, dass wir um 3 bei ihr sind, aber selbst bis 2 Uhr im Bad gebraucht hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Auf jeden Fall wurde er im Stundentakt von Mutter und/oder Freundin angerufen, die ihn offenbar immer ganz gern kontrollieren, was er gerade so macht. Nach einem tollen Tag in der Strandvilla eines Freundes meiner Cousine (mit Pool und direktem Blick aufs Meer, wie dekadent!) kommen wir um 7 Uhr abends bei meiner Tante an, die nicht so ganz verstanden hat, wie das jetzt ging. Nunja, wir wussten es.

Montag, 21.9.

Meine Tante ist ganz wild darauf, mir endlich Athen zu zeigen. Heute stehen auf dem Plan:

  • endlich zwei Stiefel in Größe 37 bei Zara in der Fußgängerzone finden
  • ein Spaziergang durch das älteste Stadtviertel Athens, die Plaka
  • eine Fahrt nach Kap Sounion

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Die Stiefel finden wir. In der Plaka ist es noch schöner als bei Zara ( ;-) ), mitten in den verwinkelten Gassen befinden sich plötzlich denkmalgeschützte Ausgrabungsstätten und kleine Tempel. Was sich alles unter der heutigen Stadt Athen verbirgt, sah man bei den Bauarbeiten für die Metro - fast jede U-Bahnstation gleicht einem archäologischen Museum mit Tonkrügen, Werkzeug und Münzen, über die man sich in Deutschland nur so freuen würde. Hier in Athen gibt es dermaßen viel davon, dass man jede Station damit ausstatten konnte. Auch die Häuser der heutigen Plaka wurden zum Teil einfach auf alte Ruinen gebaut, es wurde überbaut, neugebaut, umgebaut, und das seit Jahrtausenden, sodass man heute nicht einmal mehr weiß, ob das Fundament noch in der Antike gesetzt wurde. Dann kommen wir noch in eine alte Markthalle und hier sehe ich den wahrgewordenen Traum eines jeden Griechen: Fleisch. Fleisch soweit das Auge nur reicht, Marktschreier an jedem Stand, die mich und meine Tante umwerben um uns Rindersteaks und Koteletts anzudrehen. So viel Fleisch habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Den Fischmarkt spare ich mir, ich hasse Fisch schlichtweg und der Geruch wäre sicher nicht auszuhalten.

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In der Plaka bleiben wir nicht lang, am Mittwoch will ich nochmal zurückkommen. Denn jetzt steht die einstündige Fahrt ans Kap Sounion an. Hier beginnt das Ägaische Meer, und natürlich beginnt die ganze Fahrt dorthin mit einer Geschichte aus der griechischen Mythologie. Auf Kreta wütete der Minotaurus, ein wohl bekanntes Monster, in seinem Labyrinth. Alle neun Jahre müsste der Athener König Aigeus sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen als Opfer nach Kreta schicken, damit sie dort dem Minotaurus zum Fraß vorgeworfen werden konnten. Sein Sohn Theseus, ein berühmter Held, mischte sich unter die Jünglinge und zog mit nach Kreta, um das Monster zu besiegen. Seinem Vater sagte er beim Abschied, dass das Schiff bei der Rückkehr nach Athen weiße Segel gehisst hätte, wenn Theseus erfolgreich den Minotauris besiegen würde und lebend zurückkehrte. Mit Hilfe der kretischen Königstochter Ariadne trug sich nun auf Kreta zuerst die Geschichte mit dem roten Wollknäuel zu - sie legten sich eine Fährte in das Labyrinth um später auf diesem Weg wieder den Weg zurück zu finden. Tatsächlich erlegte Theseus den Minotaurus, in all der Freude wurden jedoch vergessen, die schwarzen gegen weiße Segel auszutauschen. Sein Vater stand nun also am Kap Sounion, dem südlichsten Punkt Attikas, um nach dem zurückkehrenden Schiff Ausschau zu halten. Als er die schwarzen Segel erblickte, stürzte er sich vor lauter Trauer von den Klippen in den Tod.

Deshalb heißt nun das Ägaische Meer auch so, war ja immerhin der König Aigeus. Genau an diesen tragischen Schicksalsort, der gleichzeitig eine fantastische Aussicht und einen Tempel des Poseidon zu bieten hatte, fuhr ich also mit meinem Onkel und meiner Tante.

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Mehr als das Gesagte gab es hier jedoch auch nicht. In einer Hafentaverne kehrten wir ein, aßen viel zu fettiges und zu viel Essen, und fuhren am späten Nachmittag wieder zurück nach Athen.

Dienstag, 22.9.

Das wird heute der absolute Touritag. Frühmorgens geht’s gleich los und wir fahren mit der Metro los. In der U-Bahn geht es heute mächtig zu, weitaus mehr als gestern ist hier los. Als ich meien Tageskarte stempeln will, weiß ich auch gleich, warum:

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Griechisch müsst ihr nicht können, in hellgrau steht es sogar auf Englisch da. Das Schild besagt, dass am europäischen Tag des Unterwegsseins ohne Auto die öffentlichen Verkehrsmittel in Athen gratis sind. Ausgeschlossen natürlich Fahrten zum Flughafen und zurück. Fand ich eine wirklich tolle Sache, da könnte sich der raffgierige MVV auch mal eine Scheibe von abschneiden.

Die Metro bringt uns zur Station “Akropolis”, und das sagt doch schon alles, oder? Da uns aber die Akropolis nicht davonrennen kann und das neugebaute, dazugehörige Museum mit Sicherheit später von einer langen Warteschlange geschmückt sein wird, fangen wir mit dem Museum an.

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Dort, wo später noch die Warteschlange herumstehen wird, ist jetzt ein großer, leerer Platz. In der Mitte liegt die gezeigte Ausgrabung frei, man kann also vom Vorplatz aus nach unten auf diese Ruinen sehen. Es ist inzwischen 9 Uhr morgens und die Schlange am Ticketschalter wirklich kaum erwähnenswert. Recht schnell kommen wir also in diese nagelneue Weltneuheit hinein und sind sofort begeistert. Im Erdgeschoss sind weite Teile des Bodens aus Sicherheitsglas, und direkt unter den eigenen Füßen kann man auf noch viel mehr dieser unterirdischen Ausgrabungen blicken. Das Museum wurde also oben drüber gebaut, und man selbst bekommt in diesem Augenblick erst so richtig mit, auf was für altem Boden man eigentlich täglich durch Athen läuft.

Die Ausstellungsstücke im Museum waren wirklich sehenswert. Natürlich viele Tonscherben und Dinge, die man auch in den U-Bahn-Stationen zu Hauf sieht, dafür aber auch teilweise sehr gut erhaltene Statuen. Hervorhebenswert finde ich hierbei, dass die Griechen auch sehr deutlich den Verbleib manch verschwundener Teile in ihrem Museum kenntlich gemacht haben: Aus der Statuengruppe der Koren des Erechtheion-Tempels auf dem Akropolisberg stehen fünf in Athen - eine jedoch im British Museum und London. Ihr ursprünglicher Platz ist dennoch leer geblieben und wurde durch einen Kreis als Platzhalter markiert.

Das Museum bietet viel, jedoch auch nicht zu viel. Im gemütlichen Tempo mit Betrachtung der meisten Exponate und dem Lesen vieler Texte ist man sicherlich in zwei Stunden durch. Danach steht natürlich das Restaurant für mich und meine ausgehungerte Tante auf dem Programm, und siehe hier: die Griechen bereichern sich in so einer Toplage nicht, Kaffee und Getränke sind wirklich günstig und die Sandwiches lecker.

Gut gestärkt geht’s also weiter auf den Berg der Berge, meine Tanten haben mir Horrorstorys erzählt und ich befürchte schon eine Besteigung des Olymp. Tatsächlich aber geht’s sogar, es ist nicht allzu heiß und die Wege sind gut gepflegt, sodass sogar meine fußkranke Tante ganz überrascht ist, wie leicht wir schließlich zur Akropolis kommen.  Sie war das letzte Mal vor 30 Jahren hier oben und muss gleich 12€ Eintritt blechen - ich komme als Studentin mit ausländischen (und für Griechen hieroglyphischen) Studentenausweis und einem griechischen Perso kostenlos rein und bekomme noch einen anerkennenden Blick, dass ich im Ausland studiere. Wenn die wüssten.

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Hinter den Toren des Ticketabreissers sehe ich nun, was ich aus jeder Hauptattraktion einer jeden Stadt kenne: Touristen, Touristen und nochmal Touristen. Der steinige Boden ist schon ganz glatt geworden, “von den vielen Füßen, die hier seit Jahrtausenden rumlaufen”, wie mein Onkel mir allwissend am Abend erklärt. Wie ich nach der Zeit in Athen weiß, hat nicht nur mein Vater ab und an dieses Belehrende in sich - nein, auch seine beiden Brüder sind da absolut gleich.

Die Akropolis war nett. Allerdings hat sie mich nach dem Besuch am Kap Sounion nicht mehr sonderlich beeindruckt, ein alter Tempel halt, viele Touristen und eine Aussicht über die Betonwüste Athens. Nunja, kann man machen, muss man nicht. Es sei denn, man braucht’s fürs Selbstwertgefühl und Urlaubsstories nach einem Athentrip.

Da meine Tante und ich noch unerwartet fit sind und es erst früher Nachmittag ist, entschließen wir uns für eine Taxifahrt zum Lykavittos. Das ist der höchste “Berg” (277m…) im Athener Stadtzentrum, von hier aus hat man also eine noch bessere Aussicht als von der Akropolis aus. An dieser Stelle sei gesagt, dass das Taxifahren in Athen wirklich spottbillig ist und eigentlich New Yorker Zustände herrschen: nirgendwo stehen die Taxis wartend herum, man muss immer zusehen, ein fahrendes heranzuwinken. Im Nu sind wir also am Hügelchen und fahren mit der Standseilbahn nach oben. Dasselbe Gefährt habe ich schon an der Salzburger Festung benutzt, ganz geheuer ist es mir aber immer noch nicht. Oben angekommen kann man den Ausblick gleich mehr genießen - kaum Touristen, eine leichte Brise und viel mehr Ruhe aus auf der Akropolis. Wir gehen in die kleine Kapelle, meine Tante erzählt mir, dass sie hier sogar getauft wurde und die ganze Festgesellschaft damals natürlich noch zu Fuß hier hinaufgestiegen ist. Wir zünden zwei Kerzen für Verwandte an und fahren glücklich wieder nach Hause.

Nach all den Strapazen sei gesagt: daheim kugelt sich meine Tante am Nachmittag noch den kleinen Zeh aus. Sie stößt gegen ein Tonbandgerät meines Onkels. Da geht die gute, fußkranke Frau, mit mir in ganz Athen herum und steigt auf Hügel und Weiß-Gott-Alles und dann kugelt sie sich daheim den kleinen Zeh aus! Tze, sowas…auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass Griechen grundsätzlich bar bei ihrem Arzt bezahlen und immer nachträglich die Rechnung bei der Krankenkasse einreichen müssen.

Mittwoch, 23.9.

Der letzte Tag ist angebrochen und ich gerate in ernsthafte Kofferprobleme. Mein halber Koffer ist voll mit Schuhen, sodass ich auch den Bordtrolley vollpacke. Die Koffer werden schnell daheim bei Onkel und Tante abgelegt und dann geht’s gleich wieder los, nochmal in die Plaka und diesmal mit meiner digitalen Spiegelreflexkamera. In Athen wird offenbar geklaut, was das Zeug hält, sogar in Läden wie Zara (ich bin ein Fan, wie ihr seht) muss man seine Handtasche immer nah am Körper halten und aufpassen - das war sehr nervig, wenn man die Zustände in München gewohnt ist. Aufgrund all der Horrorgeschichten wollte ich nun nicht bei ganzen Tagestrips die große Kamera mitnehmen, es hätte sehr geschmerzt, wenn sie mir aus der Hand gerissen worden wäre. Deshalb befestige ich die Tasche an meinem Gürtel, hänge mir den Riemen um den Oberkörper und den von der Kamera selbst nochmal zusätzlich. Und nein, niemand hat es auch nur versucht, sie zu klauen - vielleicht aber auch, weil ich dauernd Griechisch gesprochen habe und somit nicht zum typischen Tourischema gehört habe.

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Das Viertel erinnert mich mit seinen kleinen Gassen und Häusern etwas an das Dorf meines Vaters auf Korfu. Das ganze ist hier sehr malerisch und ziemlich ruhig - dabei braucht man von hier zu Fuß nur 5 Minuten zur Akropolis! Ein Spaziergang mit Besuch im Kaffeehaus ist hier nur zu empfehlen.

Nach meiner kleinen Fotosafari haben wir immer noch Zeit - ich muss erst am Abend zum Flughafen. Also geht’s spontan noch zum Syntagmaplatz (Platz der Verfassung) und hier tobt nur so der Wahlkampf für die griechischen Parlamentswahlen (inzwischen abgehalten, die Sozialdemokraten haben mit 43% die absolute Mehrheit geschafft und die bestehende Regierung abgelöst). Und ich sehe endlich den berühmten Wachwechsel am Grabmal des unbekannten Soldaten, sowie die Wachen selbst (Evzonen genannt). Wie in London dürfen auch sie sich nicht bewegen, allerdings darf man sich nicht mit ihnen fotografieren lassen - ein Herr des griechischen Militärs wandert in Uniform auf und ab und weist aufmüpfige Touristen und Bettler in die Schranken. Die Uniform der Evzonen dagegen sieht mehr als lustig aus - Bommel, Strumpfhosen, der Hut, alles ein bisschen wie Fasching. Aber so sehe ich im Dirndl wahrscheinlich auch für die ganzen Griechen aus.

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Es wird später Nachmittag, wir fahren also heim, essen noch ordentlich fettige Pommes Frites und schließlich geht’s über die “Autobahn” wieder zum Flughafen. Ich komme nicht über mein Freigepäck, gebe meinen Bordtrolley mit auf und spaziere mit Handtasche und Parfum aus dem Duty-Free-Shop in meinen Flieger nach Hause, eigentlich schade.

Ich habe in 5 Tagen zwei Kilo zugenommen.

Ab nächster Woche werde ich 4 Stunden in der Woche einen Griechischkurs an der Uni belegen.

Nächstes Jahr fliege ich wieder hin, das weiß ich jetzt schon.

Ausgezwitschert.

September14

In einem kurzen Nebensatz erwähne ich hiermit, dass auch ich unter die Twitterer gegangen bin und als lapetitegrecque
twittere. Hierbei bin ich natürlich fleißige Mitleserin bei BonitoTV und Rob Vegas, vgl. hierzu meinen Artikel vom April “Das Schmidtsche Vogelgezwitscher“, dann wisst ihr auch gleich wieder, warum.

Frisch in den Feed gegangen, folgender Tweet-Dialog, der eigentlich für sich selbst spricht:

BonitoTV: Falls Sie diese Version von Harald Schmidt mochten, so folgen sie doch dem Mann hinter den ganzen Einträgen @robvegas . Danke und ENDE.

lapetitegrecque: @robvegas: War’s das etwa? Kein BonitoTV mehr?

RobVegas: @lapetitegrecque Ich fühle mich ausgebrannt und brauche einfach eine lange Kreativpause. Vielleicht Urlaub auf dem GEZ-Dampfer. #BonitoTV
Da hat’s sich beim Fake-Schmidt wohl leider ausgezwitschert. Oder plant Rob etwa nur den nächsten Coup, nachdem er als Schmidt inzwischen fast überall aufgeflogen war? Man weiß es nicht, mich hat er damit auf jeden Fall als Fan seiner Show bekommen.

Studentsein, der erste Streich: Frühstücken

September13

Wie ihr inzwischen wisst, muss ich ja schon immatrikuliert sein - sonst hätte mir diese Kaninchen-Internet-Geschichte nicht passieren können. Auf Drängen von Michi wollte ich euch schon länger von meinem Immatrikulationstag berichten, genauergesagt: von meiner ersten Tat als Studentin.

Schlau, wie wir so sind, sind Michi und ich sehr früh am Morgen mit der S-Bahn zur Uni gefahren, um mich einzuschreiben. Nur kamen offenbar mehrere auf die Idee, so früh zu kommen, sodass ich dennoch fast 2 Stunden vor und in der Studentenkanzlei zugebracht habe. Problematisch war dabei allerdings, dass Michi und ich uns das Frühstück für ein bisschen mehr Schlaf gespart hatten und schließlich total ausgehungert das Hauptgebäude der Uni verließen. Wir hatten allerhand Pläne gemacht für den (immerhin noch für den Rest der Welt sehr jungen) Tag und hielten es schließlich nicht mehr bis zum Frühstückscafé unserer Wahl aus: das CADU/Café an der Uni winkte nur so von der gegenüberliegenden Straßenseite. Und da ich ja mit einem Schon-Studenten unterwegs war, wusste Michi natürlich genau, dass wir unseren Hunger auch dort drin stillen könnten.

Gesagt, getan. Durch eine schmale Gittertür und einen niedrigen Bogen in der alten Steinmauer landeten wir im dahinterliegenden Innenhof. Das Glasdach ließ einen wirklich fast draußen sitzen, schuf jedoch auch echtes Treibhausklima. Mehr gab es für mich dann auch gar nicht mehr zu sehen, wie die Geier stürzten Michi und ich uns auf die Speisekarte, schlugen flott die Frühstücksseiten auf und überlegten. Die Wahl fiel für uns beide schließlich aufs folgende Frühstück:

“Heut mach ma blau” (Münchner Studentenleben)

Serranoschinken, Müsli, halbe Grapefruit, Frischkäse, Marmelade, Honig, Brotkorb und Butter

Kosten: 7,90€. Normal für ein gutes Münchner Frühstück, zumal man bedenken muss, dass wir uns in Schwabing befanden. Dazu gab es für mich einen Cappucino und für Michi einen Latte Macchiato.

Der Service

Und schon kommt die erste Hürde für die freundliche Bedienung, ich bin allergisch auf Haselnüsse. Deshalb die Frage: “Sind in dem Müsli Haselnüsse drin?” Bemüht eilt sie in die Küche und kommt nach kurzer Zeit wieder. Ja, leider seien Haselnüsse drin, aber sie könne mir stattdessen Naturjoghurt mit Früchten anbieten. Das nehme ich doch gerne an, schließlich hätte mich genau dieser Punkt fast schon zum “Jean-Jacques Rousseau”-Frühstück geführt. Flott werden uns die Kaffees serviert, auch das Frühstück lässt nicht lange auf sich warten. Fazit: Aufmerksam und sympathisch!

Das Frühstück

Guten Kaffee haben sie schon einmal, die Hälfte meiner Suppenschüssel voller Cappucino ist deshalb auch schon weg, als schließlich die Frühstücksteller und der Brotkorb serviert werden. Wir finden uns zwischen einer guten Brotmischung aus Weiß-, Roggen- und Vollkornbrot und einem Teller voller Serranoschinken wieder. Es war ein Essteller, der komplett mit Serranoschinken ausgelegt war! Und dazu ist zu sagen, dass ich Serrano einfach liebe…nunja, ansonsten waren alle genannten Frühstückskomponenten ansprechend und sauber angerichtet. Das Brot überzeugte durch Frische und Geschmack, die knusprige Kruste und der weiche Kern ließen auf einen guten Bäcker schließen. Auch der ungesüßte Naturjoghurt mit frischen Früchten hat mich etwas die Kalorienbombe Frühstück vergessen lassen und mich, in Kombination mit der Grapefruit, fast schon glauben lassen, ich könnte sowas Feines jeden Tag vertragen. Einziges Manko: die Grapefruit war unzureichend angeschnitten und spritzte nur su umher, ohne Sägemesser war da leider nicht viel zu machen, sodass Michi und ich mehrere Male mit halbzugekniffenen Augen an der Frucht rumhantierten.

Das Fazit

Im CADU sitzt man wirklich in angenehmer Atmosphäre inmitten eines total gemischten Publikums. Reichere Frauen beim Shoppingbummel, spätaufgestandene Studenten beim Frühstück oder Lateinlehrer bei Pfeife und Tee - hier ist echt alles geboten. Vor allem der überdachte Innenhof ist ein absolutes Schmankerl! Auch innen drin sah es gemütlich aus, Bücherregale und Sofas laden einen für mehrere Stunden und Kaffeetassen ein. Unser Frühstück war sowohl qualitativ als auch quantitativ absolut tadellos, pappsatt und zufrieden haben Michi und ich das CADU verlassen und das für vergleichsweise wenig Geld (ich verweise nochmals auf München…). Auf der Internetseite des Cafés ist die gesamte Speisekarte mit Preisen online (auch nett für die Kalkulation…).

Wo?

Cafe an der Uni
Ludwigstraße 24
80539 München

http://www.cadu.de/

Der kleine Unterschied?

September8

Im Moment lese ich “Gestatten: Elite” von Julia Friedrichs und kann dieses Buch nebenbei jedem nur getrost empfehlen. Hatte mich auf ein eher trockenes Sachbuch über die deutsche Nachwuchselite eingestellt und bin stattdessen für meinen Mut, so etwas in Kauf zu nehmen, mit einem abwechslungsreichen Recherchebericht der jungen Journalistin belohnt worden.

Um nun aber zum Punkt zu kommen: Friedrichs hat in ihrem Buch einen kleinen Punkt angesprochen, der mich schon früher mal interessiert hat. Genauer gesagt in der 10. Klasse während meiner Berlinreise. Wir wurden an den Bahnhöfen regelmäßig angesprochen, ob wir nicht eine Tageskarte übrig hätten und diese abgeben möchten. Leicht irritiert war ich, in meiner Naivität habe ich natürlich auch nicht kapiert, was damit passiert. Als ich nun im Juni mit meiner Mutter einen Ausflug nach Berlin gemacht habe, gab es dasselbe Spiel: selbst als Mutter-Tochter-Pärchen (und nicht als große Reisegruppe) wurden wir um Tickets angehauen. Für manch einen mag das jetzt normal klingen, aber nichts dergleichen ist mir jemals in München passiert! Und nun schreibt die Berlinerin Julia Friedrichs zu ihrer Station in München, ob es hier etwa normal ist, keine übrigen Pfandflaschen für Sammler an der Straße stehen zu lassen und nicht nach U-Bahn-Tickets gefragt zu werden, damit die Schnorrer sie weiterverkaufen können. Meine Antwort: offenbar ja, da es mir in meinem ganzen Leben bisher nur in Berlin passiert ist. Die Flaschen stehen eigentlich nur nach Massenparties wie dem Faschingsdienstag überall rum.

Wie sieht das bei euch aus? Wo wird geschnorrt und wo nicht?

Parole? Kaninchen!

August27

Melde mich gerade beim Onlineportal meiner neuen Uni an und muss dort eine Frage eingeben, die ich im Falle eines vergessenen Passworts zu beantworten habe. Als Beispiele angegeben: schlechte Frage des Geburtstdatums und der Augenfarbe der eigenen Mutter, da dies leicht herauszufinden und zu raten sei.

Ein gutes Beispiel sei dagegen die Frage nach dem persönlichen Lieblingsbuch der 4. Klasse. Als Antwortbeispiel nehmen die Damen und Herren von der Uni dann aber auch gleich Leo Tolstois “Krieg und Frieden und meinen dazu: “Gut, das errät niemand.”. Abgesehen natürlich von der Tatsache, dass kein Viertklässler auf die Idee käme, “Krieg und Frieden” zu lesen…

Das totale Highlight war allerdings abermals die Frage nach der mütterlichen Augenfarbe. Diese wurde vorhin ja als schlecht abgetan, lautet die Antwort aber “Kaninchen”, meinen die Autoren dazu folgendes: ” Sehr gut. Frage und Antwort stehen in keinem inhaltlichen Zusammenhang. Sie müssen sich aber die Antwort gut merken können”

Welchen Sinn macht eine Kontrollfrage für ein vergessenes Kennwort, wenn man sich erst die absurde Antwort auf die Frage merken muss? Wieso nimmt man dann nicht gleich das Kaninchen als Passwort? Fängt ja alles schon gut an.

Spam von Googlemail?

August25

Wollte gerade zwei Googlemail-Accounts zusammenführen bzw. mit einem Account die Posteingänge von beiden Accounts prüfen können. Hierzu sendete Googlemail eine Benachrichtigung mit Aktivierungslink an die Zweitadresse - und diese Mail landete prompt im Spamordner.

Googlemail mag mir Spam zwar immer brav fern halten, aber sich selbst als Spam zu bezeichnen, das ist schon selten dämlich.

Lovelybooks

August24

Wie ihr inzwischen wisst, liebe ich Bücher. Seit einiger Zeit war ich auf der Suche nach einem Online-Archivierungssystem, ähnlich dem von DVDB, nur für meine Bücher. Heute habe ich es endlich geschafft: bei Lovelybooks.de kann man eine eigene Bibliothek anlegen, Leute suchen, die die gleichen Bücher lesen und und und. Im Test gerade eben wurden von jedem Titel mehrere Ausgaben gefunden - meine war immer dabei, eventuell muss man noch den Namen des Verlags angeben und kann dann mit Hilfe der Buchcover und der Angabe ob Hard- oder Softcover die eigene Ausgabe des Buches finden.

Und damit ihr auch wisst, was ich so alles im Regal stehen habe, bitteschön: Miss Brunette auf Lovelybooks.Wer von euch selbst dort Mitglied ist, oder es nach diesem Beitrag wird, darf mir gerne in Form von Kommentaren oder Mails das eigene Profil zeigen!

Die Dinge locker nehmen: Vapiano München

August22

Wer fleißig beim Kokostiger mithört, wird auf diesen Artikel vielleicht sogar schon warten. Wer nicht, darf sich den Podcast über Michis vergangene Woche (in der auch ich öfter mal vorkomme) gerne zu Ohren führen.

Nach unserem langen Tag am Münchner Flughafen hatte Michi eine Idee für unser Abendessen: ein Besuch im Vapiano. Hierbei handelt es sich um eine systemgastronomische Kette mit vielen Filialen in Deutschland und der Welt. Die Münchner Filiale befindet sich in einer absoluten Toplage, nämlich den Fünf Höfen (Salvator-/Theatinerstraße). Eine architektonische Augenweide bieten diese, leider ist das Preisniveau der meisten Geschäfte wirklich weit über dem meines Geldbeutels angesiedelt. So lockt Michi mich mit der Versprechung für ein interessantes Restaurantkonzept, angemessene Preise und natürlich tolles Essen ins Vapiano. Wir betreten den Laden und ein absolut fantastischer Duft steigt in meine Nase. Das riecht nicht wie in jedem x-beliebigem italienischen Restaurant, nein, es riecht wie in der Küche einer italienischen Mamma. Nach Tomaten, gebackenem Pizzaboden und Basilikum.

Hinein ins Vergnügen: Karte, Anstehen, Design

Am Eingang erhält man eine Plastikkarte im Scheckkartenformat, mit dieser “bezahlt” man bargeldlos im Restaurant seine Speisen und Getränke, beim Verlassen des Restaurants wird dann auch in bar abgerechnet. Der Sinn dahinter erschließt sich mir am Anfang meines Besuchs noch nicht ganz, ich spaziere an der Caffé-Bar im Erdgeschoss vorbei und steige eine breite Holztreppe hinauf in den ersten Stock - und dort wird mir erst bewusst, warum es hier so riecht: ich stehe in Küche und Gastraum auf einmal. Vor meinen Augen erstreckt sich eine unheimlich lange Theke, hinter der die Mitarbeiter Pasta, Pizza und Antipasti zubereiten. Die Einrichtung gefällt mir sofort, über der Theke hängt ein schwarzes Paneel, welches Fake-Kreideschrift und Zeichnungen von italienischem Essen und Zutaten zieren. An der Decke herrscht indirekte Beleuchtung mit wechselndem Farbenspiel, auf den modernen (aber doch rustikal-italienisch anmutenden) Tischen spenden kleine Lampen Licht. Wir suchen uns an diesem Abend einen Platz an der Galerie und haben somit freien Blick auf die Caffé-Bar, aber auch auf den gesamten Gastraum - er ist unheimlich groß. So viele Leute auf einem Haufen, alle beim Essen und Reden, aber dennoch ist es nicht unangenehm laut. Schallschlucker? Ich weiß es nicht. Michi zieht mich in diesem Moment der Entzückung bereits zur Kochtheke. Wir beide stellen uns bei der Pastasektion an und warten etwa 5 bis 10  Minuten, bis wir dran sind. Man darf zwischen mehreren Nudelsorten wählen, diese werden vom Koch aus einer Durchreiche hinter sich geholt. Portionsweise wurden hier frischgemachte Nudeln aus der Hintergrundküche in eine Plastikdose gepackt, vom Koch werden sie in einen automatischen Nudelkocher gegeben. Im Nachhinein erfahre ich, dass die Nudeln genau 90 Sekunden im sprudelnden Wasser gekocht werden - und sie können gar nicht vergessen werden, das Sieb des Nudelkochers fährt nach der vorgegebenen Zeit automatisch nach oben. Genial.

Das Essen

Auf den Speisekartenflyern sind die unterschiedlichen Preiskategorien (je nach Sauce) angegeben, ich entscheide mich für “Pomodoro e Mozzarella” aus Gruppe B: 7 Euro. Welche Nudeln ich bekomme, weiß ich nicht mehr. Sie waren auf jeden Fall lustig verschlungen und hatten den perfekten Biss. Für die Sauce schnappt sich der Koch aus der Durchreichewand hinter sich eine neue Wokpfanne, stellt diese in seinen Kochplatz und gibt etwas Öl und Zwiebeln aus den Plastikbehältern neben sich hinein. Man muss sich das in etwa vorstellen wie bei Subway: je nach Sauce werden die unterschiedlichen Zutaten vom Koch zusammen in den Topf geworfen, zubereitet wird das Ganze in der Küche im Hintergrund, welche offenbar auch die Pfannen nach jeder Sauce spült.Während meine Zwiebeln brutzeln wird die Nächste hinter mir gefragt, sie möchte zwei Portionen der gleichen Sauce, woraufhin extra die Frage gestellt wird, ob der Koch die Sauce für beide Portionen in der gleichen Pfanne zubereiten darf! Natürlich darf er das, alles andere wäre ja doof. Aber allein die Tatsache, dass so auf die Frische und Sauberkeit geachtet wird, finde ich erstaunlich. Inzwischen bekommen die Zwiebeln Gesellschaft: einen Schöpfer  Tomatensauce. Ach mir läuft bereits das Wasser im Munde zusammen, meine Nudeln kommen frisch und fertig aus dem Nudelkocher hochgefahren, ein paar Mozzarellawürfel gesellen sich als Abrundung in die Sauce. In einem schönen Pastateller richtet der Koch derweil meine Nudeln an, gibt eine perfekte Menge Sauce darauf und schiebt meine Plastikkarte nur noch über sein Lesegerät. Fertig. Ich verziehe mich mit meinen Nudeln auf einem Vintage-Metalltablett zurück auf meinen Platz und genieße.

Ich habe bewusst eine simple Sauce ausgewählt, meiner Meinung nach erkennt man an solchen Dingen überhaupt erst die Qualität der Küche. Ob der Koch eine Sauce mit Garnelen und Spinat hinbekommt ist für mich zum einen nicht wichtig, da ich weder Meeresfrüchte noch Spinat mag, zum anderen ist es mit solchen Zutaten nicht schwer. Aber eine simple Tomatensauce zu einem kulinarisch wertvollen Gericht zu machen, da gehört meiner Meinung nach ein gewisses Maß an Kochkunst dazu. Ich schwelge in meinen Nudeln und meiner Sauce und bin glücklich. Neidisch werde ich dabei von unserem dritten Begleiter im Bunde angeschaut: er wusste nicht, dass wir Essen gehen und hat sich daheim noch Schinkenbrote auf die Schnelle gemacht, damit er auf dem Weg in die Stadt bloß nicht verhungert. Achja, er wolle doch etwas, und entscheidet sich für eine Pizza Margharita. Am Pizzastand ist gerade kaum etwas los, Tommy tigert dorthin und kommt nach einer Minute mit einem roten Plastikgerät wieder. Es blinkt und sieht wirklich komisch aus. Nach etwa 10 Minuten gibt es jedoch einen dunklen Vibrationston ab - die Pizza ist fertig, Tommy kann sie am Stand abholen. Durchdacht das Ganze, so steht nicht eine Meute wartender Menschen vor der Theke.

Inzwischen bin ich mit meinen Nudeln fertig, mein Magen darf jetzt mit seiner Arbeit anfangen und schnurrt nur zufrieden. Als meine Augen jedoch diesen Reiz der dünnen, knusprigen Pizza auf Tommys Teller wahrnehmen und der Geruch des Pizzabodens in meine Nase steigt, war’s das mit Zufriedenheit: ich will mehr! Ich will das da probieren!

Darf ich dann auch. Und dieses eine Pizzastück schmeckt fast noch köstlicher als meine Nudeln davor. Tommy verdrückt die Pizza im Nu, die Schinkenbrote scheinen vergessen. Und ich habe jetzt beim Schreiben dieser Kritik schon wieder Hunger auf italienisches Essen, Mist.

Fazit

Das Essen schmeckt wirklich gut, zumindest das, was wir hatten. Einziges Manko: Selbstbedienung und Anstehen, das teilweise auch mit nervigen Kindern um sich herum. Vor allem in absoluten Hochzeiten des Ansturms kann das mit Sicherheit nervig werden. Abgeräumt wird dafür allerdings. Systemgastronomie funktionert in diesem Laden wirklich gut und erlebt wohl eine der besten Ausformungen im Vergleich zu anderem Fast Food. In diesem Fall würde ich Systemgastro allerdings wirklich nicht mit Fast Food gleichsetzen: dafür ist es nicht “fast” genug und erfüllt eigentlich die Ansprüche an das Essen in einem “normalen” Restaurant.

Wo?

Vapiano München

Salvatorpassage in den Fünf Höfen

Theatinerstraße 15 .

80333 MÜNCHEN

wo es Vapiano sonst noch gibt: http://www.vapiano.de/

Der junge Sender für alte Leute - ZDFneo

August20

“Mit einem Programmkonzept, das sich an der Lebenswelt junger Familien und den Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer zwischen 25 und 49 Jahren orientiert” will das ZDF überzeugen - in Form seines neuen Senders ZDFneo. Neo, das klingt für mich zum einen nach neonataler Säuglingsstation, aber auch nach NEON - also allesamt richtig junge Dinger, die dahinter stecken müssten.  DWDL zufolge geht der Sender bereits im November an den Start, weichen muss ihm der ZDF-Dokukanal. “Um den Sehgewohnheiten der jüngeren Zuschauer entgegenzukommen, beginnt die Primetime von ZDFneo erst um 21 Uhr.”, heißt es weiter bei DWDL. Doch frage ich mich nun, was ein Sender für diese große Zielgruppe zwischen 25 und 49 tun will. Und das um 21 Uhr. Wer fällt alles darunter?

25-Jährige Studenten, die sicher erst gegen 21 Uhr an den Fernseher können, weil sie davor in einer Welt zwischen Milchschaum, Unistress oder dem großen, neuen Arbeitsleben zu tun hatten. 30-Jährige Neuyuppies, die erst um 21 Uhr aus der Arbeit kommen. 35-Jährige frischgebackene Mamis, deren Kind erst um 21 Uhr den Tag anbrechen lässt. 40-Jährige gefrustete Männer in der Midlifecrisis, die sich durch “Comedys, US-Serien, Dokumentationen und Serviceformate” ablenken lassen sollen. 45-Jährige Hausmütterchen beim Bügeln, wobei diese mit Sicherheit den Kampf gegen ihren Mann verlieren werden. 49-Jährige, die ihren 50.Geburtstag ein Jahr lang planen.

Ein “junger” Sender soll her. Traurig ist dabei, dass man sich gleichzeitig eingesteht, mit dem Hauptprogramm ZDF offenbar nur noch die Gruppe 49+ abzudecken. Diese Zuschauer werden nun mit modernen Animationen in den heute-Nachrichten konfrontiert, die “Jungen” bekommen einen eigenen Sender, der offenbar auch nichts anderes zeigen wird, als alle anderen. Sie werden als jung bezeichnet, obwohl mehrere Generationen damit abgedeckt werden sollen: die Ältesten könnten die Eltern der Jüngsten sein, und sollen nach der Denke von Markus Schächter und Co. die gleichen Interessen und Ansprüche in Sachen Medien hegen.

Ich selbst bin 19 Jahre alt, habe immer gern den ZDF-Dokukanal verfolgt, und gehöre offenbar weder zur Zielgruppe für ZDFneo, noch für das ZDF. Somit mindestens ein Minusschäfchen in der Bilanz.

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